Mein Talent, mein Traum, mein Job?

selbstverwirklichung

Wer Glück hat, so lernen wir das von früh auf, landet nach Schule, Studium, Ausbildung und Praktika irgendwann genau da – im richtigen Job. Ein richtiger Job ist etwas, das man nicht nur zum Geld verdienen macht, sondern auch, weil man es unbedingt jeden Tag machen will. Weil es die vorhandenen Talente optimal fordert, weil man eben gerne mit Menschen, Zahlen oder Medien arbeitet, weil man unbedingt draußen sein will oder es einen geil macht, Dinge zu verkaufen.

Ich erinnere mich an mein erstes Schülerpraktikum bei der damals noch existenten Jugendzeitschrift jetzt Magazin. Ich war 14 oder so und durfte ein paar Tage mit lauter Leuten verbringen, die alle mindestens zehn Jahre älter waren und Lichtjahre cooler. Sie waren super attraktiv, sie lachten viel, sie tippten rauchend lässige Texte in ihre Computer und hörten dabei Musik, die nach nichts klang, was ich in meiner Gymnasiastenzeit je gehört hatten. Ich schrieb damals ganz gerne, war aber zum Beispiel viel zu faul, um mich in der Schülerzeitung zu engagieren. Trotzdem war ich mir sicher: Das war die Welt, in die ich wollte.

Mittlerweile arbeite ich selbst seit fast zehn Jahren in dieser Welt (abgesehen davon, dass ich schon lange in keinem Büro mehr war, wo geraucht werden durfte). Ich bin darüber sehr glücklich, aber natürlich sieht das Ganze von innen dann doch etwas anders aus. Auch die attraktivsten und klügsten Kollegen nerven gelegentlich. Auch der spannendeste Job bringt Aufgaben mit sich, auf die ich so gut wie nie Lust habe. Manchmal frage ich mich, ob ich nicht lieber noch mal an die Uni zurück gehen sollte. Oder in die Politik. Oder irgendwo hin, wo man eben etwas ganz anderes macht.

In der aktuellen Ausgabe von NEON schreibt unser Autor Christoph Koch über die Selbstverwirklichungsfalle, diese große, innere Krise, die so ziemlich jeder schon erlebt hat, wenn er in der Berufswelt angekommen ist:

„Der Arbeitsalltag nervt. Der Erfolg, der einen ­anfangs noch gekickt hat, fühlt sich plötzlich unspektakulär an. Die Branche ist gar nicht so glamourös, und die abendlichen Veranstaltungen, für die man sich früher ein bis zwei ­Hände abgehackt hätte, sind wie das morgendliche Auf­­stehen mit einem Mal eine Mühle geworden.

Und das ist noch nicht mal das Schlimmste. Das Schlimmste ist, dass die Ernüchterung in dem Beruf eintritt, den wir immer wollten. Der uns liegt, für den wir gemacht zu sein schienen. Klar, unsere Eltern und Großeltern waren abends auch oft kaputt und genervt, wenn sie aus der Bank oder vom Acker nach Hause kamen. Aber das war normal, es schien ihnen kaum etwas auszumachen. Sie schienen zu sagen: »Arbeit nervt. Na und?« Sie hatten sie sich ja oft nicht einmal selbst ausgesucht.

Heute erwarten wir von unserem Beruf, dass er uns nicht nur satt macht, sondern auch mit Glück und Sinn erfüllt. Aber muss er das wirklich?“

Wie siehst du das? Kennst du deinen Traumjob – oder hast du ihn schon? Und warum genau das? Was wünschst du dir von deinem Job? Und wofür würdest du kündigen?

Meredith Haaf
Meredith Haaf ist Autorin. Interessiert an Liebe, Kapitalismuskritik, Mode, FC Bayern, Ryan Gosling, Berlin und mehr Zeit zusammen.
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  • […] Glück und Sinn erfüllt. Aber muss er das wirklich?“, fragt Christoph Koch in der Zeitschrift NEON. Die zentrale Frage bei dieser Frage ist: Welchen Stellenwert hat Arbeit in unserem Leben? Gemessen […]

  • Sanni-Julie sagt:

    Ich bin noch längst nicht angekommen.
    Mit 18 war ich motiviert, entschlossen, zielstrebig, hatte den perfekten Plan: Ausbildung in meinem Traumberuf als Erzieherin, dann 1 Jahr arbeiten, dann Baby kriegen.
    Zwei Jahre und hundertfünfzig Psychotherapiesitzungen später hatte ich begriffen, dass das Leben bei meinem Plan nicht mitmachen wollte. Ich war depressiv, ausgebrannt, todmüde, ein Psychowrack.
    In der Klinik wurde mir dann schnell klar, dass ich nicht mehr in meine Ausbildung zurückkehren würde.
    Was ich stattdessen machen würde? Ich hatte keinen Plan B. Weil mein Plan A doch so perfekt und vollkommen, vernünftig und durchdacht schien. Da fing die ganze Sinnsuche an, die Suche nach dem Ich. Wer war ich denn eigentlich? WIE war ich? Ich hatte keine Ahnung, ich hatte mich in den letzten zehn Jahren so sehr angestrengt, so zu sein, wie ich glaubte, dass die anderen mich gerne hätten, dass ich völlig verlernt hatte, einfach ich selbst zu sein.
    Als ob ich meine Persönlichkeit, die ich einst ganz selbstverständlich war ohne darüber nachzudenken wie ich zu sein hatte, getötet und eine neue, scheinbar vollkommenere, liebenswertere, coolere, beliebtere, toughere Persönlichkeit erschaffen hätte. Zumindest geglaubt habe, diese Pseudo-Persönlichkeit, das sei nun ICH. Aber eigentlich war es doch nur eine Maske. Und was unter der Maske steckte, daran erinnerte ich mich nicht mehr.
    Ich machte also viele Praktika, in den unterschiedlichsten Bereichen: Büro, Maler, Verkauf, Paketfahrer, Sozialversicherungsfachangestellte, …
    Stets hatte ich das Gefühl, ein „Leben auf dem Abstellgleis“ zu führen. Ich stehe da, sehe die Züge mit ihren Möglichkeiten und Zielen an mir vorbeirauschen, aber ich bin wie gelähmt, unfähig, mich für einen zu entscheiden und auf diesen aufzuspringen, denn es könnte sich ja als Fehler herausstellen. Es könnte doch sein, wenn ich den einen wähle, dass ich dann einen anderen, viel besseren, attraktiveren, passenderen, glücklicher-machenden, Zufriedenheit-schenkenden verpasse.
    Mit 22 hab ich dann Hals über Kopf eine Ausbildung zur Bürokauffrau begonnen. Früher war genau dieser Beruf mein absolutes Horrorszenario, mein Worst-Case und (wenn auch politisch unkorrekt) mein persönliches Fukushima. Lieber auf den Bau als ins Büro.
    Letztendlich hab ich mich doch für „Fukushima“ entschieden. Warum? Weil mir die Zeit davonlief. 22, Schule ein Jahr vor dem Abi geschmissen, abgebrochene Ausbildung, mehrere Aufenthalte in Psycho-Kliniken.
    Also nahm ich das erstbeste, was sich bot, in Angriff, um endlich mal was Abgeschlossenes zu haben.
    Mittlerweile bin ich mit dieser (ungeliebten) Ausbildung fertig, habe sogar mit 1 abgeschlossen. Während der Lehrzeit habe ich viele Praktika in Büros und Verwaltungen gemacht. Dabei hab ich festgestellt, dass Büro so vielfältig und nicht grundsätzlich langweilig und eintönig sein muss. Mir persönlich hat es in der Verwaltung eines Senioren- und Pflegeheimes am besten gefallen, weil es mein Interesse am Gesundheits- und Sozialwesen mit meinen Stärken, die nun mal leider im Bürobereich liegen, in Einklang bringt. Am liebsten würde ich also im Gesundheitswesen arbeiten.
    Leider hab ich nach meiner Lehre noch keine Stelle gefunden, hoffe, dass sich das in den nächsten Wochen und Monaten ändert.
    Wenn nicht, geh ich am September wieder zur Schule und hole erst mal mein Fachabitur nach. Was ich danach mache, weiß ich nicht.
    Angekommen bin ich jedenfalls noch längst nicht.

  • Elisa sagt:

    Hut ab vor all den Krankenschwestern, Altenpflegern und allen Menschen, die unsere Welt ein wenig besser machen, etwas Sinnvolles tun – und das für einen Hungerlohn!!!!

  • Stephi sagt:

    Mein Traum war es schon seit ich ganz klein war Journalistin oder Autorin zu werden…den Traum Journalistin hab ich mir selbst und die Medeinbranche ein wenig kapputt gemacht, nachdem ich durch einen Zufall – den es natürlich nicht gibt – in die Modebranche gerutscht bin. Diesen Schein, den ich ständig nach außen geben musste und die Dinge über die ich schreiben soltle und die mich interessieren und begeistern sollten…haben mich zum Glück zu dem Menschen gemacht, der ich jetzt bin, und obwohl ich jetzt jeden Tag ausschließlich Excel Listen erstelle und für keine tolle Zeitung oder Magazin schreibe, bin ich glücklich, denn: den Traum Autorin kann mir niemand wegnehmen, das hab ich jahrelang nicht so gesehen und obwohl es so einfach gewesen wäre habe ich mir selbst eine Scheinwelt erschaffen, mit einem Traumjob den es nicht gibt. Und so schreibe ich jetzt privat, mal nach einem Glas Wein weil ich dann kleine kreative Höhenflüge bekomme, mal nachts wenn ich nicht schlfaen kann oder an einem verregnetem Sonntag…es geht etwas langsam voran aber ich tu es. Auch wenn niemals mein Buch veröffentlicht werden wird, ich hab es selbst verfasst und mir meinen Traum erfüllt- das kann niemand mit einem noch so tollen bezahlen. Meine Interpretation von einem Traumjob ist sicherlich eine ganz andere als vor 5 oder 10 Jahren- zum Glück!

  • Stephi sagt:

    Ich habe definitiv meinen Traumberuf gefunden :) ich arbeite als PTA in der Apotheke. Der Beruf ist vielseitig und man hat Kontakt mit Menschen. Das gefällt mir sehr. Jeder Tag ist anders. Natürlich ist arbeiten trotzdem ab und zu nervig. Aber ich sehe mich in keinem anderen Beruf. Das wusste ich schon damals in der 8. Klasse. Okay, manchmal denke ich schon „Wie ist es in 10 Jahren?“ Aber da sehe ich mich eher mit einer Familie. Auch mit dem Thema lässt sich mein Beruf super kombinieren. Man verdient zwar nicht die dicke Kohle, aber man kann davon leben. Außerdem finde ich es viel wichtiger, dass man seinen Beruf gerne und ehrlich ausübt.
    Für alle, die ihren Traumberuf noch nicht gefunden habt: Macht Praktika! So merkt ihr, in welche Richtung es gehen sollte, oder auch in welche nicht :)

  • Céline sagt:

    Als ich meine Kaufmännische Lehre begonnen habe, wusste ich schon, dass dies nicht mein Traumberuf werden würde. Daher war mein Plan bei der Arbeit möglichst viel Geld zu verdienen und dann zur Selbstverwirklichung zu gehen. Wir haben eine lustige Truppe im Geschäft, diese Voraussetzung ist mir fast am aller wichtigsten. Mit den guten Rahmenbedingungen die ich mir so geschaffen hatte begann ich mit an den Persönlichen Interessen weiter zu arbeiten / zu investieren. Ich habe ein Jahre eine Ausbildung in Fotografie besucht und werde mich in diesem Gebiet nun fortbewegen. Auf 60-80 % Reduzieren und an den freien Tagen meine Träume verwirklichen. Für mich ist diese Lösung nun perfekt. Ein grosses Problem ist doch auch häufig, dass man sich nicht traut oder nicht genau weiss was man will. Habt Mut!

  • Susilein sagt:

    Bevor ich mit meiner Ausbildung zur Bankkauffrau anfing, reiste ich ein Jahr lang durch Neuseeland. Dort arbeitete ich für einige Monate in einem Café. Man denkt vielleicht, dass das ein Job ist, der schnell langweilig wird, doch das wurde er nicht – nicht wenn man ein Streben hat, egal was man macht, es beim nächsten Mal besser machen zu wollen; die Fähigkeiten zu perfektionieren, die man schon hat; sich über die kleinsten Erfolge und Veränderungen zu freuen. Sehr vieles hängt auch von den Arbeitskollegen ab: der Job war einfach nicht mehr derselbe, als meine Lieblingskollegin kündigte und die Lästerfraktion wieder die Macht übernahm.
    Es gibt also sehr viele Faktoren, die da mitspielen und die sich regelmäßig ändern können, aber im Endeffekt hängt es zum größten Teil von uns ab, was wir daraus machen und wie wir uns anpassen.

  • Sandyy sagt:

    Ausbildung zur Kauffrau f. Bürokommunikation, anschließender 2jährig. Jobeinsatz im selbigen Berufsfeld und schlussendlich ein Auslandsjahr in Australien liegen hinter mir. „Längerfristiges“ Reisen und Arbeiten im Ausland war wie zum ersten Mal „frische Luft schnappen“, bei dem ein Büroalltag wie ich ihn vorher als Sekretärin kannte, wie ein schlechter langweiliger Film schmeckt. Ich suche mit 26 nun „wieder“ nach einer geeigneten Berufsperspektive für mich, evtl. mit begleitendem Studium nebenher, … möchte aber eigentlich nur reisen. Wer einmal Blut geleckt hat, kriegt nicht mehr genug von der hautnahen, horizontsprengenden Vielfalt an Menschen und Kulturen, die die Welt zu bieten hat.

  • Natascha sagt:

    Als ich noch Sekretärin war, habe ich kuriose Geschichten aus dem Büroalltag in witzige E-Mail Mails an meine beste Freundin verpackt. Die habe ich irgendwann meinen Chef geschenkt. Nie hätte ich gedacht, dass genau das mich in eine Redaktion bringen würde. Der sagte nur: Sie haben im Sekretariat nichts verloren! An dem Tag habe ich den Entschluss gefasst, nebenher zu studieren. Das war vor rund sieben Jahren, seit vier bin ich Journalistin und jeden Tag froh über das Kurzgeschichten-Geschenk damals. Es hat niemand glücklicher gemacht, als mich.

  • CreARTive sagt:

    Vielleicht sind es sogar besonders häufig die Leute in den „kreativen Berufen“, die ziemlich schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden, wenn sie merken: Wirtschaftliche Interessen gehen meist vor Kreativität. Die Ideen und Ergebnisse müssen sich verkaufen lassen, auch wenn man selbst es anders schöner gefunden hätte. Letztlich zählt der Wunsch des Kunden oder Rezipienten, und nicht der eigene Geschmack. Hätte man mir das so ehrlich vor zehn Jahren gesagt, würde ich nicht jetzt immer noch so oft überlegen, was ich mal werden will, wenn ich „groß“ bin … jetzt bin ich halt einer von den Kreativen, die es eigentlich nie sein dürfen.

  • Sim sagt:

    Ich bin Tierarzthelferin, und versuche seit längerem von diesem „Traumberuf“ (für viele Mädels) weg zu kommen. Schlechte Arbeitszeiten (Teildienst), schlechte Bezahlung, keine Aufstiegsmöglichkeit. Aber Quereinsteiger sind nicht erwünscht in den meisten Branchen.

  • Sonja sagt:

    Ich bin Designerin und dachte nach der Schule, dass wäre der perfekte Job für mich, weil ich gern gemalt habe. 6 Jahre und eine Menge Projekte später weiß ich, dass mein Job nicht viel mir meinen damaligen Vorstellungen zu tun hat und muss manchmal mit mir kämpfen, mein Ding durchzuziehen. Aber jedes Mal, wenn ich das Gefühl habe, dass die Begeisterung diesmal wirklich weg ist, kommt der Ideenschub, der mich komplett entspannt Nächte durcharbeiten lässt und anschließend bin ich wieder glücklich mit meiner Entscheidung und möchte nichts anderes machen :).

  • ArbeitenIstDasHalbeOderEherGanzeLeben sagt:

    Wie es mein Name schon verrät…bin ich mir nicht sicher, wie sinnvoll unser Leben insbesondere in Deutschland noch ist. @meinen Vorredner: …echt toll, dass ich was gefunden habt, was euch ganz offensichtlich glücklich macht. Aber wie viele in Deutschland lebenden Menschen können das von sich behaupten?! Dieses Selbstverwirklichungsding ist schön und gut… aber bezahlt sich dadurch meine Miete. Die meisten von uns kommen aus diesem Teufelskreis ARBEIT nicht mehr raus… moderne Sklaverei würde ich das betiteln. Und schlaue Köpfe haben sich ausgedacht, uns einzureden es sei „Selbstverwirklichung“. Damit wir immer stetig weiter funktionieren… Ich für meinen Teil stecke oft in solchen persönlichen Krisen, die euer Autor so schön beschrieben hat. An alle die ihren Job aufrichtig lieben… Glückwunsch. An alle die mich verstehen… ich hab auch keine Lösung. Vllt. NEON ja?!

  • Anni sagt:

    Ich bin Baumpflegerin und kann mir nichts schöneres vorstellen. Natürlich sind Tage mit schlechtem Wetter unangenehm, aber die schönen und trockenen überwiegen eindeutig. Ein spannender Beruf weit weg vom Mainstream mit tollem interessanten Berufskollegen. Ein Job mit Weitsicht, spätestens dann wenn man in einem großem Baum über den Dächern von Kiel steht und Einen herrlich Blick über die Förde genießt.

  • Frissyl sagt:

    Nirgendwo fühle ich mich mir selbst so nah und erfüllt wie am Set. Ich folge meinem inneren Drang Geschichten zu erzählen und perfekte Illusionen in Form bewegter Bilder zu schaffen. Ich arbeite in der Filmbranche und will Regie studieren.

  • +++ sagt:

    Ich bin Erzieherin und liebes es!

  • Sara sagt:

    Ich bin eine „Kranke Schwester“ und ich machs gern!