NEON #07/2015

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Liebe Leserinnen und Leser,

unsere Autorin Lena Steeg beschreibt in ihrer Titelgeschichte »Der Weg ist das Spiel«, wie es sich anfühlt, wenn man im Leben alles richtig macht und trotzdem nichts so klappt, wie man es sich vorgestellt hatte.

Trotz aller guten Vorsätze, trotz Studium, Ausbildung und dem festen Willen nach einem festen Arbeitsplatz, saß sie plötzlich allein in einer fremden Stadt, in einer viel zu ­teuren Wohnung, ohne Partner und Job. »Das war der Moment, in dem mein inneres Navi abstürzte und ich endlich verstand, wie das ist, wenn man vor lauter Kreuzungen den eigentlichen Weg nicht mehr sieht.« Steeg fragte sich, wie und wohin uns das Leben führt – und ob wir überhaupt in der Lage sind, Dinge selbst in die Hand zu ­nehmen. Die Antwort: Klar! Zumindest wenn wir uns wieder Zeit nehmen, über Entscheidungen nachzudenken: »Es ist eine gute Idee, Entscheidungsphasen und die Macherphase zu trennen. Erobern wir uns die Zeiträume zurück, in denen wir unsere Möglichkeiten und ­deren Kosten sondieren.« Es muss ja kein Jahr sein, meint Steeg, »aber ein paar Wochen darf man sich schon mal vom Leben führen ­lassen.« Wir finden, das ist ein guter Plan für den Sommer.

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Foto: Ryan McGinley

Familienzusammenführung:
Im Rahmen unserer Titelgeschichte stellen wir auch das ­Leben und die Lebensziele interessanter Menschen vor – was sie geplant hatten, wie es dann wirklich kam. Auch die Hamburgerin Charlotte Sack, 103, sprach mit uns über ihre Pläne und verrückte Zufälle. Die ­pensionierte Schneiderin ist NEON verbunden – ihre Großnichte Melanie Moenig, 34, ist unsere Dokumentarin. Moenig hatte ihre Tante längere Zeit nicht gesehen – und freute sich nach dem ­Wiedersehen über deren »unfassbar positive Haltung«.

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Illustration: Florian Bayer

»Wenn du Glück hast, gewinnst du. Sonst – verlierst du«
In der Reportage »Alles auf nichts« beschreiben wir das traurige Leben eines Spielsüchtigen, der jede Minute und jeden Cent in Spielhallenautomaten investiert – und sich längst verloren hat. Wer den Text liest, der von Florian Bayer wunderbar-­­surreal illustriert wurde, versteht nicht, warum diese ­Automaten in Deutschland noch legal sind. (Hinweis: Vielleicht hat es ja mit den Steuereinnahmen in Milliardenhöhe zu tun.)

Unser Autor Alard von Kittlitz hat keine Angst vor der Zukunft –
das wissen wir spätestens seitdem er sich 2014 für eine Re­portage, in der er untersuchte, wie es sich wohl anfühlt, ein Cyborg zu sein, in den USA einen Magneten in den Zeigefinger implantieren ließ. Bei dem Interview mit dem Biochemiker Martin Jinek, der eine Technologie entwickelt hat, mit der man die DNA eines Menschen so einfach umschreiben kann wie ein Word-Dokument, wurde sogar Kittlitz ein wenig mulmig: »Das ist der Beginn einer neuen Ära der Menschheit.«

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Illustration: Peter Judson

»Der Job muss sich nach dem ­Leben der Menschen richten«
Diesen Satz gab Arbeitsforscher Ralph Bruder unserem ­Autor David Mayer mit, bevor der seine Reise in die Arbeitswelt von Übermorgen startete. Mayer traf Menschen, die Arbeit schon heute neu denken; die wissen, dass Auszeiten kein Luxus sind; dass die klügsten Ideen oft dann entstehen, wenn ­alle mitreden dürfen. Mayer gefielen vor allem die smarten Roboter im Audi-Werk, so einen wünscht er sich auch fürs Büro.

»›Walking while black‹ heißt das Vergehen, das in keinem ­Gesetzbuch der USA auftaucht und das doch jeden Tag ­geahndet wird«
Perfektes Timing: »Spiegel«-Korrespondent und NEON-­Autor Markus Feldenkirchen hatte gerade intensiv in Baltimore und Ferguson recherchiert, als ihn unsere Anfrage erreichte, einen Essay über den alltäglichen Rassismus in den USA und die Polizeigewalt gegenüber jungen Schwarzen zu schreiben. Im Frühjahr 2015 eskalierte ein Konflikt, der lange ignoriert ­wurde. Nachdem der 25-jährige Freddie Gray an den Folgen von Polizeigewalt starb, brannte Baltimore, kriegsähnliche ­Szenen gingen um die Welt. Feldenkirchen erklärt, warum die USA immer noch ein Rassismusproblem haben – und hat ­wenig Hoffnung auf Besserung: »Eine Justizreform reicht nicht aus.« Die Fotografin Katharina Poblotzki und die Autorin Lara Wiedeking porträtierten für die ­Geschichte junge Schwarze wie Mia Loving, die über ihr Leben mit dem Rassismus berichten. Wiede­king: »Jeder, wirklich jeder kann eine Geschichte erzählen.«

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Foto: Jabin Botsford / The Washington Post via Getty Images

Die Mensch-Maschine:
»Zu keinem anderen Gerät haben wir ein so freundschaftliches, ja fast zärtliches Verhältnis wie zum Fahrrad«, schreibt unser Autor Paul-Philipp Hanske. Eine menschliche ­Maschine ist aber auch NEON-Grafik-Praktikant Jan-Frederic Schnieder, der für das »Besser ­leben«-Dossier den Bleistift zückte und in wenigen Stunden die mehr als 150-jährige Evolution vom Laufrad bis hin zum E-­Bike nachzeichnete. Auf fünf Seiten verrät Hanske, wie die Fahrradsaison noch schöner wird (und was man macht, wenn man einen Platten aber kein Flickzeug hat).

»Dreieck, Kreis und Raute – 
die neue Bademode liebt die 
Geometrie«
Kann ein Paket von Hamburg nach Berlin vierzehn Tag unterwegs sein? Das fragte sich Modechefin Aicha Reh, als sie ­ohne Bademode ein Bademodeshooting organisieren sollte. Ist es möglich, in einer Woche sechzehn Stunden in einer Kunden­dienst-Warteschleife zu hängen? Die Antwort: Wenn DHL streikt, geht das schon. Reh und ihre Kollegin Lesley Sevriens hätten das Klamottenpaket aber auch nach Berlin getragen, damit die Modeproduktion nicht ins Wasser fällt. Am Ende hat es zum Glück doch noch geklappt.
Wir wünschen euch einen tollen, sonnigen, streikfreien Sommer!


Die neue Ausgabe von NEON gibt es ab jetzt überall am Kiosk und auch digital für das Tablet auf iOS und Android. Hier können Einzelhefte des Magazins nachbestellt werden.

 

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  • Anoif sagt:

    Kleine Nörgelei an einem tollen Heft:

    Satt und glücklich

    Physalis – ja, ich mag sie auch. Aber ernsthaft? Ihr regt euch über das umweltschädliche, hässliche Plastikkörbchen auf? Und was ist mit dem Flug aus Südamerika / Südafrika?

  • Alex D. sagt:

    Zu der Weg ist das Spiel von Lena Steeg:
    Liebe NEON Redaktion ich habe selten einen Artikel gelesen der die Rahmenbedingungen der heutigen Zeit so auf den Punkt bringt. Denn auch ich (32 Jahre,Akademíker´) sehe mich einer unausweichlichen Optimierungsphase gegenüber, die man sich nicht nur an sich selber stellt sondern auch von der Gesellschaft gelebt wird. Es ist sehr schade, aber „alte Werte“ geraten so zunehmend in den Hintergrund.

  • rht sagt:

    Der Weg ist das Spiel. Prima Artikel weil Lena eine ganze Bandbreite von Beispielen unterschiedlich alter Menschen aufnimmt. Ich denke viele die nicht mit ihrem Leben zufrieden werden oder sind haben sich noch intensiv damit befasst und ausprobiert, was sie wirklich gut können und worin sie einen Sinn sehen. An die, die mal von außen betrachtet gescheitert sind: Pause machen ok, aber nicht zu lange, dann aufstehenund wieder probieren. Wenns das gleiche sein soll, helfen manchmal kleine Veränderungen im „wie man an die Sache ran geht“ und es klappt. Noch eins: schaut euch die letzte Aussage von Mieze Katz zum Thema „work-life Balance“ auf Seite 146 an. Wenn euch eure Arbeit so begleitet wie Sie da schreibt, wirds gut. LG rht